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Das Hörfunkinterview

Die Berichterstattung im Hörfunk gewinnt immer mehr an Bedeutung. Immer häufiger gibt es Anfragen von Rundfunksendern - nicht zuletzt weil die Zahl der lokalen Radioanbieter gestiegen ist.

Das Medium "Radio"

Im Allgemeinen werden Sie um ein Interview gebeten. Obwohl Sie vielleicht Angst vor einem "Auftritt" haben, sollten Sie den Bitten der Rundfunkmacher nachkommen. Lehnen Sie das Angebot ab, vermitteln Sie den Eindruck von Desinteresse und verspielen somit möglicherweise vorhandene Sympathien.

Das Radio spricht die Konsumenten wesentlich direkter an, als zum Beispiel ein Artikel in der Zeitung. Mit der Stimme kann man Aufmerksamkeit wecken. Pointierte Aussprache und Rhetorik können den Radiohörer fesseln. Das Medium Radio ist auch wegen seiner "Schnelligkeit" nicht zu unterschätzen.

Zugegebenermaßen ist der Hörfunk ein sehr „flüchtiges" Medium. Während man einen Zeitungsartikel noch einmal nachlesen kann, ist das Rundfunkinterview für den Hörer in aller Regel (wenn er es nicht mitgeschnitten hat) nicht wiederholbar.

Verschiedene Formen der Berichterstattung

Es gibt verschiedene Formen eines Rundfunkbeitrages. Die Nachrichtenminute ist ein Kurzbericht, der, wie der Name schon sagt, nicht länger als eine Minute ist. In aller Regel gibt es in einer Nachrichtenminute keine sogenannten O-Töne. "O" steht für Originalton und ist gewissermaßen ein gesendetes Zitat mit einem Informanten oder Interviewpartner.

Häufiger kommt das sogenannte Telefoninterview vor. Dabei unterscheiden wir zwischen einem Live-Beitrag (einem Beitrag, der direkt in eine Sendung eingespielt wird) und einem vorab aufgenommenen Telefoninterview.

Der Hörfunkjournalist hat meistens noch weniger Zeit, als sein Kollege von der Lokalzeitung. Er wünscht kurzfristig (entsprechend dem Medium) einen Termin fürs Interview. Ein guter Journalist bietet Ihnen vorab ein sogenanntes Vorgespräch an.

In diesem Vorgespräch sollten Sie folgende Punkte klären:
  • Für welchen Sender arbeitet der Journalist?
  • Für welche Sendung und für welche Redaktion wird das Interview aufgezeichnet?
  • In welchem Zusammenhang wird das Interview gesendet?
  • Wie ist das Thema des Interviews und der Sendung?

Welche Fragen sollen Sie beantworten?

Überlegen Sie sich Ihre Antworten. Bereiten Sie sich auf das Thema vor, machen Sie sich zu Ihrer Sicherheit einen kleinen Spickzettel. Aber: Vorbereitete Statements sind verpönt. Ablesen gilt nicht.

So verhalten Sie sich richtig am Mikrofon:
  • Niemals dem Reporter das Mikrofon aus der Hand reißen. Er ist der Profi und weiß am besten in welcher Qualität das gesprochene Wort rüberkommt.
  • Bilden Sie knappe, kurze, verständliche Sätze
  • Keine Floskeln sprechen, wie zum Beispiel: "Das ist eine interessante Frage, Herr Meier".
  • Niemals den Reporter beim Interview mit Namen ansprechen. Das wird sowieso herausgeschnitten.
  • Keine langen Monologe halten.
  • Vermeiden Sie Allgemeinplätze und Redensarten.
  • Versuchen Sie stets deutlich und mit Betonung zu sprechen. Dialekte und Umgangssprache möglichst vermeiden – es sei denn, der Sender ist sehr heimatverbunden.
  • Bei Beiträgen, die nicht live gesendet werden, ist es für den Rundfunkjournalisten möglich, Sätze zu kürzen, Versprecher herauszuschneiden. Haben Sie sich verhaspelt, so ist dies mit der heutigen Technik kein Problem.
  • Antworten sollten auf gar keinen Fall länger als eine Minute dauern.
  • Spontanität ist gefragt. Witz ist manchmal angebracht. Deshalb nie schriftlich fixierte Texte vom Blatt ablesen. Wie gesagt: Stichworte genügen.
  • Wahren Sie die Distanz zum Journalisten. Arroganz oder Kumpelhaftigkeit sind beim Zuhörer nicht gefragt. Duzen Sie den Journalisten nicht - auch wenn Sie mit ihm "per Du" sein sollten.
  • Kanzeln Sie ihn aber auch nicht ab, wenn er unangenehme Fragen stellt oder Ihrer Meinung nach kein Fachmann ist.
  • Versuchen Sie, so natürlich wie möglich zu wirken.

Besondere Situationen

Bei unangenehmen Fragen bleiben Sie sachlich, ruhig und freundlich. Sie sollten auf jede Frage antworten. Wer eine Antwort verweigert, macht den Journalisten erst richtig neugierig. Zudem glaubt er dann, Sie hätten etwas zu verbergen.

Falls Sie einmal keine Antwort parat haben, geben Sie das ruhig zu. Der Journalist wird akzeptieren, dass Sie nicht alle Einzelheiten kennen. Sollte so etwas in einer Live-Sendung passieren, findet dies beim Publikum eher Anklang, als eine weitschweifende, nichtssagende Antwort.
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